Die Galerie befindet sich von 2. bis 28. August in der Sommerpause. Am 29. August eröffnen unsere neuen Ausstellungen.
Aktuelle Ausstellung
Vernissage 29.08.2026 | 11:00 - 16:00 Uhr
30.08.2026 - 14.11.2026
GEORG HABERLER | Hopp Hopp Einzelausstellung
Georg Haberler singt Kinderlieder. Nicht weil er es kann – er dachte immer, er könne es nicht – sondern weil die Frage, ob er es kann, irgendwann keine Rolle mehr spielte. Aus diesem kleinen persönlichen Moment entstand der Ausgangspunkt der neuen Werkserie: die Faszination mit der Energie und Unbekümmertheit des Kindes, das trotz aller Einschränkungen lernt, fällt und weitermacht. Hopp Hopp ist eine Aufforderung – an sich selbst und an die Betrachtenden – vorwärtszugehen, ins Tun zu kommen, sich zu zeigen und etwas Neues
auszuprobieren.
Die Titel der Arbeiten nehmen ihren Ausgangspunkt in Kinderliedern und geben den Bildern ihren Rhythmus und ihre Stimmung – verspielt, manchmal schwindelerregend, immer in Bewegung. Auf Leinwand und Jute erscheinen die vertrauten Figuren seiner Bildwelt: Giraffen, Krokodile, Akrobaten, Clowns, Kirchtürme mit leuchtenden Dächern, Menschen in Bewegung, Tiere auf Rädern. Sie tummeln sich wie in einem Wimmelbild, ohne Hierarchie, ohne Vordergrund. In Haberlers charakteristischer Technik werden die Figuren mit Faden auf dem Bildträger eingestickt und anschließend von der Rückseite mit hochpigmentierter Acrylfarbe eingefärbt – die Farbe scheint durch den Bildträger hindurch und tritt so von innen heraus an die Oberfläche.
In dieser neuen Serie verschiebt sich die Bildsprache merklich. Wo frühere Arbeiten die Figuren in einer fließenden Kette aneinanderreihten, ordnet Haberler sie jetzt eher als kleine Inseln im Raum an – jede Szene für sich, und doch Teil eines größeren Stroms. Er greift damit bewusst auf eine frühere Phase seines Schaffens zurück, in der er ausschließlich mit abstrakten Farbfeldern und Transparenz arbeitete, und verbindet diese mit der erzählerischen Figürlichkeit der letzten Jahre. Die Fläche tritt stärker in den Vordergrund, geometrische Strukturen gewinnen an Gewicht. Die Rückseite der Bilder – immer schon integraler Bestandteil seiner Praxis – erstrahlt in denselben intensiven Farben und wirkt wie eine abstrakte Parallelwelt. Bei manchen Arbeiten sind die Dächer der Häuser als Volumen aufgenäht und ragen so in den Raum – während sich an anderer Stelle Türen und Fenster öffnen und den Blick ins Innere
freigeben. Kleine Eingriffe, die die Arbeit plötzlich skulptural werden lassen und den Begriff der Malerei erweitern.
Mit Hopp Hopp knüpft Haberler an einen langen Gedankenstrang an. Klee und Kandinsky sahen im Kindlichen einen unmittelbaren Zugang zum Wesentlichen – unverformt von Konventionen, näher an der inneren Wahrheit. Jean Piagets Entwicklungspsychologie zeigte, dass das Kind nicht vereinfacht, sondern anders denkt: vollständiger, assoziativer, ohne die Scheuklappen der Erwachsenenlogik. Haberler entwirft damit kein nostalgisches Bild der Kindheit, sondern eine Haltung: die Bereitschaft, ohne Scham anzufangen. Die Offenheit des Kindes – sein Staunen, sein Mut zur Unperfektheit – ist keine verlorene Eigenschaft, sondern eine, die man kultivieren kann. Das Singen, das er so lange vermieden hat, wurde zur Metapher für alles, was man sich traut, wenn man aufhört, es perfekt machen zu wollen.
Georg Haberler (1985 in Graz) studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er 2015 bei Erwin Bohatsch abschloss. Aus der klassischen Malerei kommend, fand Haberler seine künstlerische Handschrift schließlich in der Arbeit mit der Nähmaschine, die heute das zentrale Werkzeug seiner Praxis bildet. 2021 erhielt er den Förderpreis des Landes Steiermark für zeitgenössische bildende Kunst; 2024 war er Artist in Residence bei der Foundation for Contemporary Art in Accra, Ghana.
Text: Christine Schmelter
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